Coaching im Kontext Change

Der immer stärkere Leistungs- und „Selbstoptimierungsdruck“ in unserer Gesellschaft ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Veränderungen von Abläufen, Umstrukturierungen, bei denen kein Stein auf dem Alten bleibt, Fusionen im großen Stil – all diese Faktoren verstärken den Druck auf Unternehmen, auf deren Management, deren Führungsmannschaften sowie auf die Mitarbeiter.

Wenn Sie sich umschauen – in welchen Bereichen Ihrer Branche gibt es die meisten Veränderungen? Wie geht die Branche und Ihr Unternehmen mit diesen neuen Anforderungen um? Und welche Auswirkung hat dies auf Ihre Arbeits- und Führungssituation?

Das sind Fragen, deren Antworten die Vielschichtigkeit, teilweise Widersprüchlichkeit und Komplexität der aktuellen Arbeitsrealität deutlich machen. Jede Branche spiegelt auch den gesellschaftlichen Wandel, indem wir uns weltweit befinden, wider. Spannungsfelder machen sich auf, scheinbare Gegensätze werden sichtbar und es bedarf einer hohen mentalen Flexibilität, diesen Themen gerecht zu werden.

Das reine Gewissen der Kunden beim Kauf von umweltfreundlicher Technik ist genauso gewünscht, wie sich prestigeträchtige Luxuskarossen zu leisten. Unternehmen brauchen für ein Überleben am Markt einerseits ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken und anderseits den Willen zur Kooperation, oft genug mit dem härtesten Mitbewerber, um Überleben zu können. Vor keiner Führungsebene machen diese komplexen, oft widersprüchlichen, Anforderungen Halt.

Von einem Ingenieur wird selbstverständlich die Bandbreite von fachlichen und Führungs-Qualitäten abverlangt und idealtypisch handelt es sich dann um den „Spiderman“ der Abteilung, der jeder Situation gewachsen ist. Neben der globalen Sicht auf das fachliche Thema und einem aktuellen Wissensstand bzgl. der technischen Innovationen und der extraordinären Lösungen, natürlich „in Time“ und „in Budget“, ist es selbstverständlich, die Kosten-Nutzen-Rechnung sowie die Vermarktungsmöglichkeiten im Auge zu haben – ach ja, und führen, motivieren und inspirieren soll dieses Multitasking-Talent natürlich auch. Viele haben mit diesen enormen Ansprüchen Mühe und tun sich hier schwer. Gerade dann, wenn in krisenhaften Situation des Unternehmens ein angemessenes Führungsverhalten zu zeigen ist und der Druck von allen Seiten meist synchron zur Krise ansteigt. In solchen Momenten wissen Führungskräfte dann nicht mehr, wie sie sich selbst und ihre Mitarbeiter durch das Tal der Tränen mitnehmen sollen.

In Coaching-Sessions erzählen Führungskräfte vom Druck, der auf ihnen lastet, von Einsamkeit in der Führungsrolle und dem fehlendem Austausch über „softfacts“ und „Spannungsfelder“ mit Kollegen und Vorgesetzten. Sie berichten von der Angst vor dem plötzlichen Karriereende, wenn sie den schärferen Anforderungen oder dem höheren Druck nicht gewachsen sind. Schon allein darüber zu reden, scheint noch immer ein Tabu zu sein, welches beim Brechen die Folge hätte, als „Weichei“ zu gelten. Manche suchen daraufhin eine neue Orientierung, weil sie spüren, dass sie mit bisherigen Führungs- und Verhaltensmustern nicht mehr weiterkommen, machen jedoch meist nach einiger Zeit auch mit dem neuen Arbeitgeber dieselben Erfahrungen, da ihr eigenes Verhaltens-Repertoire sich z. B. mit Druck positiv auseinanderzusetzen, nicht verändert hat.

Die unternehmerische Erwartungshaltung an die Führungskraft, kombiniert mit den eigenen hohen Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit, kann hohen Druck erzeugen. Hinzu kommen die komplexen Entscheidungssituationen, bei denen oft nicht alle Informationen vorliegen, jedoch eine schnelle Entscheidung getroffen werden muss. Unwohlsein und Unsicherheit prägen diese Prozesse. Dieser Druck wird häufig kompensiert, hat jedoch mittelfristig Auswirkungen auf die Innovations- und Führungsleistung sowie auf die Eigenmotivation und Zufriedenheit im Job. Perspektiven zu entwickeln und Lösungen zu forcieren, fällt vielen Führungskräften dann schwerer. Das Verhaltensrepertoire wird eingeschränkt, ein Tunnelblick entsteht. Dies ist ein Hinweis auf ein erlebtes Defizit, welches meist nicht mit fehlenden fachlichen Skills und Techniken auszugleichen ist. Leidensdruck kann durch die Reflexion der eigenen Situation, des eigenen Verhaltens, der persönlichen Einstellungen und Überzeugungen und durch die zu Hilfenahme eines externen, unbeteiligten Dritten, verringert werden. Dieser Reflexionsprozess kann im Coaching begleitet werden und sowohl ein Zielszenarium als auch Strategien, kombiniert mit Techniken, zur Bewältigung entwickelt werden.

 

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